GLUE CREW

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Pongau-Popstars allan in ana Kackbar

In Ox #157 habe ich Thomas Mulitzer und Wolfgang Posch von der aus dem salzburgerischen Pongau kommenden GLUE CREW zum Thema Mundart im Punkrock befragt. Damals war ihr drittes Album „Mundartpunk Forever“ gerade frisch erschienen. Dieses Album war ihr zweites auf Sbäm Records und das erste in der aktuellen Besetzung, in der sich zu Sänger und Gitarrist Tom und Bassist Woifi Drummer Benedikt Emig und Andreas Posch an Drums und Synthies gesellten. Mittlerweile wurde ein drittes Album eingespielt und erneut bei der Linzer Punkrock-Institution releaset. Ich habe die vier zu diesem Anlass mit den Titeln ihrer Songs konfrontiert.

Euer neues Album heißt „Kleben und kleben lassen“. Was hat es damit auf sich?

Tom: Wortspiele sind eben die besten Albumtitel.
Beni: Irgendwann musste doch einmal etwas in der Richtung kommen. Der Titel war quasi aufgelegt.
Andi: Da lassen wir viel Interpretationsraum, so kann sich jede:r Hörer:in seinen/ihren Reim darauf machen.
Woifi: Ach, das ist unsere saloppe Verteidigungsstrategie, falls uns einmal jemand Vandalismus aufgrund unserer vielen Sticker vorwirft.

Okay, okay, alles schön und gut, aber sagt einmal, warum solltet gerade ihr meine „Lieblingsband“ sein?
Tom: Weil wir immer eine Überraschung parat haben. Mit unserem mittlerweile dritten Album auf Sbäm Records bleiben wir einerseits unseren Wurzeln im Punk und Ska treu, haben aber auch großen Wert darauf gelegt, neue Sachen auszuprobieren. Darum haben wir dieses Mal mit Oliver Zülch zusammengearbeitet, der auch Bands wie DIE ÄRZTE produziert, und waren in Häusern wie dem Studio Nord in Bremen, wo schon Heintje an seinen Hits getüftelt hat. Du bist ja auch Österreicher, also verstehst du zumindest den Großteil unserer Texte, aber ich denke, auch in Deutschland gibt es noch genug Leute, die unserem Ösi-Charme erliegen könnten, wenn sie sich denn trauen reinzuhören.
Andi: Man sollte uns einfach einmal live erleben, dann stellt man solche Fragen nicht mehr, haha.

Aber ist euer – selbstauferlegtes – Popstartum nun gerechtfertigt oder ist das alles nur das „Business“ einer „Boyband“?
Tom: Im von dir angesprochenen Song „Business“ geht es um das Musikgeschäft, das wirklich ein, wie wir in Österreich sagen, g’schissenes Business ist. Wir kämpfen uns durch, so gut es eben geht.
Beni: Ja, das ist wirklich so. Kürzlich habe ich mir gedacht, es wäre cool, bildnerische Kunst zu machen. Ich könnte ein Bild malen und es dann verkaufen, wenn es jemandem gefällt. Aber ich kann halt nicht wirklich malen. Also mache ich doch lieber Musik. Und so etwas wie der Song „Boyband“ passiert, wenn man beim Proben darüber redet, dass es cool wäre, ständig im Radio gespielt zu werden, große Reichweite und so zu haben, und dann aus Spaß beschließt, einen solchen Song zu schreiben.
Wolfi: Ich hadere ehrlicherweise schon des Öfteren damit, dass es manchmal nur noch ums Business geht. Der Song zeigt, dass es ohne Büroarbeit und Arbeit im Background nicht mehr funktioniert, obwohl man sich eigentlich nur wünscht, sich einfach in den Proberaum zu stellen und Musik zu machen. Aber immerhin kommt unsere „Boyband“ am Ende der Sisyphusarbeit dann doch noch groß heraus, haha.

„Nie wieder jung“, singt ihr unter anderem. Habt ihr Angst vor dem Älterwerden?
Tom: Wenn man, wie die meisten von uns, über dreißig ist, treten durchaus bereits die ersten Alterserscheinungen auf. Da denkt man schon einmal wehmütig an die unbeschwerte Jugend zurück. Aber wenn man, wie wir, im Herzen jung bleibt, macht das vieles wett. Mit dem Musikvideo von „Nie wieder jung“ haben wir uns zudem einen Kindheitstraum erfüllt: Wir waren in einem ansonsten menschenleeren Vergnügungspark und durften mit allen Attraktionen fahren. Keine Schlange vor der Achterbahn, das Bällebad nur für uns ... Wir hatten den größten Spaß und das sieht man uns im Video wohl auch an.
Beni: Ich bin zwar noch nicht dreißig, aber ich hatte trotzdem auch riesigen Spaß beim Drehen. Und das Älterwerden bockt mich jetzt auch nicht so.

Egal, was kommt, „La Famiglia“ steht doch sicher hinter euch?
Beni: Kommt drauf an, welche du meinst.
Tom: In dem Song geht es um die politischen Ereignisse in Österreich der letzten Jahre, wo regelmäßig Dinge passieren, die man nicht erfinden kann. Ein Skandal folgt dem nächsten und eine kleine Truppe von Idioten verarscht das ganze Land.
Andi: La Famiglia steht hinter jedem, der spurt, sonst wird man entfernt! Aber die Familie, die wir in dem Song besingen, wollen wir auch gar nicht hinter uns stehen haben.

Und das obwohl ihr doch „König der Verlierer“ seid?
Beni: Die richtige Famiglia steht auch dann bestimmt hinter uns, ja.
Woifi: Verlierer ja, aber König gibt es – nun endlich – auch einen für uns alle. Dass es für alles und jeden einen Schutzpatron gab, außer für die Verlierer, war mir schon länger ein Dorn im Auge.

Vorhin habt ihr ja erwähnt, dass Musik zu machen mittlerweile eben auch Businessarbeit und nicht nur lässig drauflos rotzen heißt. Gibt es trotzdem „5 Millionen“ Gründe für all das?
Tom: Manchmal zweifelt man schon daran, dass es das wert ist, all die Kilometer und die Schlepperei, die unzähligen Stunden im Proberaum. Aber wenn man auf der Bühne steht und gemeinsam Musik macht, wenn man die Reaktion der Leute im Publikum sieht, wenn alle tanzen und mitsingen und man spürt, dass man etwas erschaffen hat, das anderen etwas bedeutet, dann hat es sich auf jeden Fall gelohnt.
Beni: Wenn bei einem Song die Drums einsetzen, und du siehst, wie Leute zu tanzen beginnen, ist das ein absolut unbezahlbarer Moment. Aber wenn wir das nächste Mal in die tiefste Südoststeiermark fahren, springt hoffentlich ein bisschen mehr dabei heraus, haha.
Andi: Ja, definitiv! Auch wenn es noch so mühsam ist, wenn nach der Show jemand sagt, dass es super für sie oder ihn war, dann haben sich die Strapazen immer ausgezahlt.

„Allainanakackbar“, hochdeutsch: alleine in einer Kackbar, seid ihr das öfter?
Tom: Ich war zu lange in zu vielen Kackbars und erspare mir das mittlerweile.
Beni: Wenn ich einmal in einer Kackbar war, gehe ich dort eher nicht mehr hin. Und alleine schon gar nicht. Aber mal schauen, was die Zukunft so bringt.
Andi: Auch eine Kackbar kann ihren Charme haben, kommt darauf an, mit wem man dort ist. Aber grundsätzlich würde ich Kackbars meiden.

Okay, dann singt ihr mittlerweile wohl lieber darüber, als selbst hinzugehen. Wenn es aber doch noch einmal passiert, dann lieber mit „Machine Gun Kelly“ oder „Sigi Stardust“?
Beni: Am besten keiner von beiden, denke ich. Und sonst immer dran denken: Die Dosis macht das Gift.
Andi: Wie schon vorhin gesagt: Kommt drauf an, was aus dem Abend werden soll.

Ist das also der von euch besungene „Kreislauf“ des „YN/YNG“?
Beni: Dass man in Kackbars unterwegs ist? Ich denke nicht. Aber wenn man einen Kreislauf an Gegensätzen lebt, kann das entweder sehr gut oder sehr schlecht sein. Es kommt immer aufs Mittelmaß an.
Andi: Der konstante Kreislauf ist: Proben, Auto beladen, Kilometer runterfahren, ausladen, spielen, feiern, Auto beladen, nach Hause oder zum nächsten Konzert gurken. Wenn man wieder zu Hause ist: Auto entladen und die Woche darauf geht’s von vorne los. Jeder Punkt mit viel YN und YNG und immer im Kreislauf.
Woifi: Was sich der H.C. immer einfallen lässt ...

... ist das eh okay? Oder gilt sowieso „Nix is ok“?
Tom: Natürlich ist nix okay. Die Menschheit beutet den Planeten aus, die Reichen werden immer reicher, autoritäre Regimes sind weltweit auf dem Vormarsch. Da hilft es auch nicht mehr, nur einen Punksong zu schreiben, da muss mehr passieren, Widerstand an allen Fronten. Aber der Großteil der Menschen ist zu sehr verstrickt in den Alltag, in beschissene Jobs und Social-Media-Feeds, dass sie gar nicht merken, dass die Welt um uns herum zugrunde geht.
Beni: Wenn wir ehrlich sind, ist sehr vieles ziemlich – wie wir hier sagen – oasch. Die Welt geht kaputt und der Mensch hat Lust auf Krieg. Saudumm. Man muss sich immer wieder positive Sachen in den Kopf holen, um nicht zu depressiv zu werden.
Andi: Die Zeit, in der „eh alles okay“ war, ist vorbei, Handlungsbedarf auf allen Ebenen ist angesagt.

Zum Abschluss, gibt es ,„1 Punksong“, den ihr am liebsten mögt?
Tom: „Boxcar“ von JAWBREAKER.
Beni: Der eine mit diesem coolen Punk-Drumbeat. Da fällt mir leider gerade der nicht Name ein.
Andi: „Barfrau“ von den BEATSTEAKS.
Woifi: Alles, was noch die Attitude hat. Am besten live und wenn du Teil davon bist, wie zum beim Beispiel beim Pogen. „Noise and Resistance“ – Top Film, falls jemand nicht weiß, wovon ich spreche.