ALKALINE TRIO

From Here To Infirmary

Mit dem neuen Album „From Here To Infirmary” macht sich der Chicago-Punkrock-Dreier auf zu Größerem. Nach zwei vorzüglichen Platten auf dem sonst eigentlich für Ska-Punk bekannten kalifornischen Kleinlabel Asian Man Records haben ALKALINE TRIO, das aus Chicago stammende Trio um Sänger/Gitarrist Matt Skiba, bei Vagrant Records unterschrieben und damit erneut deutlich gemacht, dass das Label aus Los Angeles derzeit einen erstaunlich guten Riecher für Ausnahmebands hat und Geschmack beweist: erst THE GET-UP KIDS, dann ROCKET FROM THE CRYPT, jetzt ALKALINE TRIO. „From Here To Infirmary” ist deren drittes Album, und auch wenn man die Weiterentwicklung gegenüber den Vorläufern „Goddamnit” und „Maybe I’ll Catch Fire” schon deutlich heraushört – man ist irgendwie glatter und straighter geworden –, so stellt sich auch beim mindestens zwanzigsten Durchhören kein Ermüdungseffekt ein: das Ding, produziert von Jerry Finn, der auch schon mit JAWBREAKER und GREEN DAY arbeitete, funktioniert einfach, ist wunderbarer, hochmelodiöser Punkrock, der sich in den gleichen heiligen Höhen wie HOT WATER MUSIC und LEATHERFACE ansiedeln lässt. Im Gegensatz zu denen haben sich ALKALINE TRIO aber noch nie auf den Weg nach Deutschland gemacht und gelten hierzulanden immer noch als Geheimtipp, was jedoch nach unaufhörlichem Touren in den USA ganz anders ist: dort verkauften sich die Vorgänger je über 25.000 mal, und Sänger und Gitarrist Matt Skiba gibt das Ziel für den neuen Longplayer mit 100.000 vor. Klingt ambitioniert, ist es auch, aber zum einen hat die Band – nur noch Matt ist von der Originalbesetzung dabei – musikalisch das Zeug dazu, zum anderen sind sie bereit, für ihren Erfolg zu ackern, haben schon vor einer Weile ihre Jobs aufgegeben, um ständig auf Tour sein zu können. Als „alcohol fueled love songs” wurden ihre hymnischen, treibenden Lieder mal bezeichnet, Matt dagegen nennt’s einfach nur Punkrock, beruft sich auf seine großen Vorbilder HÜSKER DÜ und SOCIAL DISTORTION und verrät mir, dass er sich sogar das Logo von HOT WATER MUSIC hat tätowieren lassen. Wo? Das sollte sich per Augenschein in Erfahrung bringen lassen, wenn der Chicago-Dreier hoffentlich bis zum Ende der warmen Jahreszeit seinen ersten Europabesuch absolviert.