CEREMONY – Live review.
| 15. August 2012 | Veröffentlicht von Thomas unter Blog |
13.08.2012 Berlin, Magnet Club. Wie ist noch mal der neueste Stand? Sind CEREMONY jetzt uncool, weil sie nicht mehr so klingen wie zu „Violence, Violence“-Zeiten und auf Matador veröffentlichen oder doch derbe Hardcore, weil sie Social Media scheiße finden und keinen Facebook-Account haben? Quark, sollen sich andere darüber streiten. „Zoo“ hat mich auch nicht unbedingt vom Hocker gehauen, steht jedoch absolut logisch am vorläufigen Schlusspunkt der musikalischen Entwicklung einer Band, deren Name doch verteufelt an diesen einen Song von JOY DIVISION (beziehungsweise NEW ORDER) erinnert und die auch gerne mal WIRE covert.
Und da CEREMONY noch vor einem Jahr mit ihrem Gig im Berliner Cassiopeia bewiesen haben, dass sie live noch immer alles in Grund und Boden stampfen, war ihr Auftritt natürlich ein Pflichttermin. Also: Pünktlich hin da, sonst läuft es wie vor Kurzem und der Support hat sich bereits nach dem zweiten Saunaaufguss (Schweißaroma!) verabschiedet. Denkste: Um 21 Uhr ist es noch ziemlich leer. Das scheint nicht dem Desinteresse an den Supportbands geschuldet zu sein, sondern eher dem Gesamtprogramm. Denn auch später bei CEREMONY füllt sich der Club nur bedingt.
NERVÖUS hatten in den letzten Tagen den Raum Berlin gehörig abgegrast und ungefähr überall gespielt, wo Platz für ein Drumkit und drei Verstärker war und scheren sich dementsprechend wenig darum, ob 20 oder 200 Leute vor der Bühne stehen. Ihr straighter, schnörkelloser Hardcore-Punk mit rockiger Kante und megafonunterstütztem Geschrei – Sound sei Dank kaum auszumachen – hätte vielleicht das Potenzial, mit etwas mehr Pop oder einer Portion Frickelei auf einem durchgestylten Label gut durchzustarten. Darauf scheinen es die Fünf jedoch nicht anzulegen und ziehen ihr Ding selbstbewusst durch. Alles richtig gemacht und ein tightes Set obendrauf gepackt. Tolle Band, die unbedingt gehört werden sollte.
Bei LEONIDEN bin ich dann ernsthaft verwirrt. Die fünf Musiker wurden wohl mit funkigem Alternative-Rock à la INCUBUS sozialisiert und sind mittlerweile bei Fummel-Math im Stile von THIS TOWN NEEDS GUNS angekommen. Abgesehen davon, dass die Band mit ihrem exaltierten Rumgehampel, affektierten Schwulstgesang und einer gefährlichen Vorliebe für Kuhglocken absolut nichts im Vorprogramm von CEREMONY zu suchen hat, sorgt sie für eine durch und bizarre Erfahrung – aber nicht der guten Art. Mit ihren Rockerposen können LEONIDEN musikalisch zumindest nicht mithalten. „I hope you enjoy the ride“, heißt es in einem Song. Eher nicht, sorry. So wie ich denken aber nicht alle, die Band wird mit Applaus verabschiedet.
Und irgendwann stehen dann CEREMONY auf der beschaulichen Bühne des Magnet, und der mauen Besucherzahlen zum Trotz geht es beim Opener „Hysteria“ dann doch ganz gut los. Aber obwohl das Quintett auch Klassiker wie ihr RED C-Cover „Pressure’s on“ ablegen, mit gewohnter Zackig- und Geschwindigkeit ihr Set runterholzen und es Chefneurotikern Ross Farrar gelingt, immer wieder einen Haufen Menschen um sein Mikro zu scharen: So richtig springt der Funke nicht über und auch der lichte Moshpit fühlt sich etwas nach Pflichtveranstaltung an. Woran liegt das? Zu wenig Publikum? Sind Songs wie „Video“ live einfach Downer für ein Publikum, das Explosionen will? Oder sind CEREMONY müde? Verglichen mit den Eruptionen, die vor einem Jahr noch von der Band ausgingen, wirken sie heute nicht unbedingt zahmer, aber weniger energisch. So oder so: Als nach der Show der Merchstand belagert wird, sieht das ebenfalls eher nach Routinehandlung aus, nach einem okayen Gig ohne Zugabe.
Kristoffer Cornils









Die Meinung zu der Vorband LEONIDEN kann ich überhaupt nicht teilen. Muss eine Supportband immer die gleiche Musik machen bzw. den gleichen Stil haben wie der Hauptact? Den Vergleich mit INCUBUS kann ich ebenfalls nichts abgewinnen. Q AND NOT U und AT THE DRIVE-IN wäre da meiner Meinung nach eher die Bands die man, wenn man es unbedingt will, zum Vergleich ziehen sollte.